Warmwassertemperatur

Warmwassertemperatur - Was Sie unbedingt wissen sollten

Draußen ist es heiß, vielleicht auch noch richtig schwül - da kann einem so eine kalte Dusche gerade recht kommen. Kaltes oder zumindest kälteres Duschen ist im Sommer völlig normal, da äußerst angenehm. Nur sollten Sie sich zu dem folgenschweren Fehler, das Warmwasser während des Sommers generell herunterzuregeln, nicht hinreißen lassen. Zu glauben, durch diese Maßnahme sparen zu können, ist nur eines: ein folgenschwerer Irrtum! Die niedrige Temperatur öffnet gesundheitsschädlichen Keimen Tür und Tor ins Rohrsystem.

Gefahr der Verkeimung

Sparen mag angesichts hoher Energiekosten sinnvoll sein - sowohl für Umwelt und Klima als auch für die eigene Haushaltskasse. Dies jedoch an der falschen Stelle zu tun, kann durchweg negative Effekte nach sich ziehen. So glauben viele Verbraucher, es sei besonders sinnvoll, in den Sommermonaten das Warmwasser herunterzuregeln. Der Sommer an sich ist schließlich schon warm genug. Vom Verband privater Bauherren kommt hingegen eine deutliche Warnung: Lauwarme und wenig benutzte Wasserleitungen machen das sonst gut kontrollierte Lebensmittel Wasser anfällig für Keime.

Statt Spareffekt: Legionelleninvasion im Rohrsystem

Lauwarme Leitungen bieten vor allem den Legionellen die idealen Bedingungen, sich dort einzunisten und zu vermehren. Diese sind Auslöser der oftmals tödlich verlaufenden Legionärskrankheit, auch Legionellose genannt. Es ist daher auch kein Zufall, dass man ausgerechnet im Sommer immer wieder von Erkrankungen liest oder hört, denn diese stäbchenförmigen Bakterien können eine lebensgefährliche Lungenentzündung auslösen. Die Bakterien legionella pneumophila lassen sich immer in Warm- und Trinkwasser nachweisen. Die richtige Warmwassertemperatur und eine Legionellenschaltung verhindern jedoch, dass sie sich gut vermehren können.Legionella pneumophila ist in der Regel der Auslöser der Legionärskrankheit. Die damit verbundene und nicht selten tödlich verlaufende Lungenerkrankung lässt sich jedoch durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen von vornherein unterbinden. Trinkwasser, und damit ist Warmwasser grundsätzlich eingeschlossen, ist ein Lebensmittel und unterliegt deshalb der Trinkwasserverordnung. Nur zertifizierte Fachmänner dürfen deswegen die Heizung oder einen Warmwasserspeicher aufrüsten, sofern hierfür die Notwendigkeit besteht. 

Leitungen nach längerer Nichtbenutzung heiß durchspülen

Entscheidend ist grundsätzlich die Wassertemperatur. Temperaturen von mehr als 60 °C mögen Legionellen überhaupt nicht. Steht jedoch während der Urlaubszeit wochenlang lauwarmes Wasser in den Leitungen, sind das beste Voraussetzungen für eine Ausbreitung. Empfehlenswert ist es deshalb, die Temperatur konstant über 55 °C oder mehr zu halten. Nach einer längeren Abwesenheit sollte das Leitungssystem zudem erst einmal heiß durchgespült werden, bevor daraus Wasser zum Trinken bezogen wird. Aber auch besonders niedrige Temperaturen können sicher sein. Liegt die Temperatur unterhalb von 10 °C, ist das auch den Legionellen zu frisch und sie können nicht gedeihen.

Vermeidung von Legionellen im Trinkwasser

Bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad fühlen sich Legionellen besonders wohl - und vermehren sich entsprechend. Zwar soll nach heutigem Kenntnisstand das Trinken von legionellenhaltigem Leitungswasser keine Gefahren bergen, aber es kann dennoch zu einer Gefährdung kommen. Die entsteht genau dort, wo die erhöhte Wassertemperatur auf fein verstäubende Duschköpfe trifft, im Badezimmer. Hier bietet sich den Legionellen die Möglichkeit, direkt über die Atemwege in die Lunge zu gelangen, wo sie dann ernsthafte Krankheiten auslösen können.

Ab 60 Grad wird's ungemütlich

Sicherheit besteht ab Temperaturen von 60 °C beim Austritt aus dem Warmwasserspeicher. So gibt es auch die Trinkwasserverordnung vor. Ab diesem Punkt ist der Verbraucher sicher, denn hier ist es den Krankheitserregern zu heiß, um sich noch vermehren zu können. Grundsätzlich sollte beachtet werden, dass alle Teile und Materialien, die im Rahmen der Warmwasserbereitung Verwendung finden, auch der Trinkwasserverordnung entsprechen. Sie müssen daher vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGF) genehmigt sein.

Ausbreitung mittels Legionellenschaltung verhindern

Bei der Legionellenschaltung handelt es sich um eine sog. thermische Desinfektion. Mit ihr wird das gesamte Trinkwasser in den Zirkulationsleitungen inkl. des Warmwassers im Warmwasserspeicher mindestens einmal pro Woche für wenige Minuten auf über 70 Grad erhitzt. Damit wird sichergestellt, dass das Trink- bzw. Warmwasser gemäß Trinkwasserverordnung frei von Legionellen ist. 

Auch in den Sommermonaten das Warmwasser NICHT herunterregeln!

Spülmaschine an Warmwasserleitung - passt das überhaupt?

Es klingt eigentlich nach einer cleveren Idee: Einfach die Geschirrspülmaschine an die Warmwasserleitung anschließen und Strom sparen. Ob sich jedoch tatsächlich ein Spareffekt einstellt, muss von Fall zu Fall unterschieden werden. Im Jahr 2008 wurde die dadurch erzielte durchschnittliche Ersparnis mit mageren 16 Euro pro Jahr berechnet, sofern die Maschine fünf Mal pro Woche ihren Dienst tut. Neben der Einsparung elektrischer Energie bietet sich noch ein weiterer Vorteil. Wasser, dessen Temperatur oberhalb von 55 °C liegt, weist einen geringeren Kalkgehalt auf. Der Kalk hat sich dann nämlich schon bei der Erhitzung des Warmwassers abgeschieden.

 

Es gibt aber auch eine Reihe von Gründen, die gegen ein solches Vorgehen sprechen:

- Wasser wird in der Spülmaschine nur während des Hauptwaschgangs aufgeheizt. Das folgende Spülen, der Vorspül- sowie der Regeneriervorgang werden mit kaltem Wasser durchgeführt. Bei der Verwendung von Warmwasser könnte dies zu einem unnötig hohen Energieverbrauch führen.- Einige Enzyme, die zum Lösen von Eiweißresten und Stärke in vielen Geschirrspülmitteln enthalten sind, wirken nur bei niedrigen Temperaturen.- Die Programmlaufzeit der Maschine kann sich um 10 bis 30 Minuten verkürzen, was sich wiederum negativ auf das Spülergebnis auswirken kann.- Etwa die Hälfte der Energie wird zum Aufheizen der Maschinenteile und des Geschirrs verwendet. Dadurch kühlt sich das Warmwasser zunächst ab und muss dann elektrisch wieder bis zur programmierten Temperatur nachgeheizt werden.- Warmes Wasser fließt nur dann zu, wenn es auch in der Leitung warm ist. Dies setzt in der Regel eine Zirkulationsleitung voraus, die ihrerseits als Wärmeverlustquelle gilt, wenn sie ständig in Betrieb ist.Wichtig: Hinzu kommt noch, dass bei manchen Herstellern die Garantie erlischt, wenn die Spülmaschine an die Warmwasserleitung angeschlossen wird!

 

 

Mietminderung durch zu niedrige Wassertemperatur

In § 2 Ziffer 5 der Betriebskostenverordnung ist es deutlich vorgeschrieben: Der Vermieter ist mietvertraglich dazu berechtigt, dem Mieter die Kosten für die Warmwasserversorgung inkl. des dafür nötigen Energieverbrauchs in Rechnung zu stellen. Der Mieter darf im Gegenzug stets eine angemessene Wassertemperatur erwarten. Ist die Temperatur jedoch zu niedrig, wird dies als Mangel betrachtet, der den Mieter zu einer Mietminderung berechtigt.


Der Vermieter steht in der Pflicht, die technischen Anlagen zur Wasserversorgung das ganze Jahr über und rund um die Uhr in Betrieb zu halten (AG München, WuM 1987, 382). Dazu gehört, auch ständig ausreichend warmes Wasser zu liefern. Welche Wassertemperatur ausreichend ist und ab wann eine Mietminderung in Betracht gezogen werden kann, soll im Folgenden geklärt werden.

Zu niedrige Wassertemperatur berechtigt zur Mietminderung

Warmes Wasser gilt nicht automatisch als Warmwasser. Die Temperatur von Warmwasser muss stets angemessen sein und es sollte bei Bedarf regelmäßig sofort oder zumindest kurzzeitig verfügbar sein. Maßgeblich sind hierfür allein objektive Werte. Subjektive Empfindlichkeiten werden also nicht mit in Betracht gezogen. Laut dem Landgericht Hamburg sind Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad angemessen. Wasser, dessen Temperatur nur bei 36,5 °C liegt, liege unterhalb der durchschnittlichen Körpertemperatur des Menschen und sei deshalb allenfalls zum Putzen geeignet.

Auch vom Landgericht Berlin kommt die Forderung (NZM 1999, 1039) nach einer Warmwassertemperatur von mindestens 40 °C ohne Vorlauf. Sinkt die Temperatur auf Werte unterhalb von 40 °C, sei dies als Mangel zu betrachten. Dabei komme es auch nicht darauf an, ob dies tagsüber oder nachts passiert (AG Köln WuM 1996, 701: Mietminderung von 7,5 %). In Küche und Badezimmer darf ein Mieter erwarten, dass ihm nach spätestens 10 Sekunden und maximal 5 Litern Wasserablauf eine Temperatur von 45 °C zur Verfügung steht. Muss er erst 5 Minuten warten, ehe ihm 40 Grad warmes Wasser zur Verfügung steht, steht ihm nach dem Urteil des AG Schöneberg (MM 1996, 401) eine Mietminderung von 10 % zu. 

Ist die Warmwassertemperatur von 55 °C erst nach dem Abfluss von 15 Liter Kaltwasser erreicht, kann dadurch eine Mietminderung von 3,5 Prozent erwirkt werden. Minderungsquoten werden stets nach Umständen und Einzelfall sowie der daraus resultierenden Gebrauchsbeeinträchtigung bemessen, da sich im Gesetz hierzu keine Angaben finden.