Schornsteinfeger

Schornsteinfeger messen regelmäßig die Abgaswerte. Einen positiven Einfluss auf den Sanierungsstau in Deutschen Heizungskellern hat das aber leider nicht!

Schornsteinfeger erfüllen seit 1869 in Deutschland einige wichtige Aufgaben die seit vielen Jahrzehnten einen hoheitlichen Charakter besitzt. Schlussendlich überwachen sie die ordnungsgemäße Verbrennung von festen, flüssigen und gasförmigen Brennstoffen. Sie sind also als kontrollierende Instanz für Holz-, Öl- und Gasheizungen zuständig. Zur Kontrollaufgabe gehört die Überprüfung von neu errichteten aber auch geänderten Feuerstätten, der regelmäßigen Feuerstättenschau und das Führen eines Kehrbuches in dem alle wesentlichen Daten der Anlagen in seinem Kehrbezirk eingetragen sein müssen. 

Doch was wird genau misst der Schornsteinfeger beim jährlichen Termin eigentlich?

Seit Jahren hält sich beständig die Ansicht, dass dafür die jährliche Bewertung durch den Schornsteinfeger ausschlaggebend sei. Ein folgenschwerer Irrglaube!

Welchem Zweck dient die Messung durch den Schornsteinfeger?

Die Messung durch den Schonsteinfeger soll aber auch nicht als irrelevant abgetan werden. Sie dient jedoch allein dem Zweck, den Vorgaben der Bundesimmissionsschutzverordnung zu genügen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Umwelt durch den Betrieb der Anlage nicht über Gebühr belastet wird. Über einen wirtschaftlichen bzw. sparsamen Betrieb der Heizanlage sagt sie wenig aus. Was der Schornsteinfeger misst, ist der feuerungstechnische Wirkungsgrad. Mit diesem wird die Ausnutzung eines Brennstoffes wie beispielsweise Erdöl oder Erdgas in Bezug auf dessen Verbrennung festgestellt.

Aber ist die Messung wirklich aussagekräftig genug, um beurteilen zu können, ob eine Heizung wirtschaftlich betrieben wird oder nicht? - Nein, ist sie nicht.

Was gemessen wird und was nicht

Es gibt jedoch eine Reihe an wichtigen Faktoren, die durch den Schornsteinfeger nicht bewertet werden. Dazu gehört, ob die Heizungsanlage in Bezug auf das Haus zu groß oder zu klein ausgelegt ist, ob sie sich der Außentemperatur automatisch anpasst oder ob der Heizkessel richtig isoliert ist. Auch werden Heizkurve, Effizienz der Heizpumpe, hydraulischer Abgleich und die Belüftung nicht berücksichtigt. Betrachtet wird zudem meist nur der Kesselwirkungsgrad oder der feuerungstechnische Wirkungsgrad. Hausbesitzer geben sich dann allzu schnell mit einem guten Messprotokoll zufrieden, was zu Fehleinschätzungen bezüglich der Wirtschaftlichkeit führt.

Auf den Jahreswirkungsgrad kommt es an!

Einen verlässlichen Wert zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit liefert aber nur der Jahresnutzungs- bzw. Anlagenwirkungsgrad. Über diesen lässt sich ermitteln, wie viel der innerhalb einer Periode eingesetzten bzw. im Brennstoff enthaltenen Energie auch wirklich im Heizsystem, also im Heizkörper oder in der Fußbodenheizung, ankommt. Dieser Wert lässt sich im Rahmen eines umfangreichen Heizungs-Checks durch einen zugelassenen Fachmann ermitteln. Dieser nimmt alle relevanten Messwerte auf, bewertet sie und trifft daraufhin eine verlässliche Aussage. Aus dieser geht dann hervor, ob der Heizkessel auch wirtschaftlich betrieben wird und ob sich gegebenen falls die Anschaffung einer neuen Heizung lohnt.

Feuerungstechnischer Wirkungsgrad

Dieser Messwert wird auch als Abgasverlust bezeichnet und im laufenden Betrieb gemessen. Drei Werte werden dabei berücksichtigt:

- Abgastemperatur,
- Verbrennungslufttemperatur,
- sowie CO2- und Sauerstoffgehalt.

Gemessen wird der Abgasverlust grundsätzlich bei einer Kesseltemperatur von 60° C. Dabei wird geprüft, ob die Verbrennung den Anforderungen, die sich aus der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) ergeben, entspricht. Dabei werden jedoch nur die Verluste bewertet, mit deren Hilfe noch keine Aussage über die wirtschaftliche Betriebsweise der Anlage getroffen werden kann. Beim Abgasverlust sind zudem Werte von mehr als 100 Prozent möglich, was die geringe Aussagekraft dieses Messwertes untermauert. Schließlich kann jeder Laie verstehen, dass nicht mehr Energie gewonnen als eingesetzt werden kann.

Kesselwirkungsgrad

Auch beim Kesselwirkungsgrad handelt es sich nur um eine Momentaufnahme, da er, wie auch der feuerungstechnische Wirkungsgrad, nur bei laufendem Betrieb erfasst wird. Bei diesem Messwert wird festgestellt, wie viel der im Brennstoff gebundenen Energie auch tatsächlich im Heizkreislauf ankommt. Zusätzlich zu den Abgabeverlusten werden noch die folgenden Werte ermittelt:

- Strahlungsverluste im Kessel,
- Stillstands- bzw. Bereitschaftsverluste (entstehen durch Auskühlung, Abstrahlung, Luftdurchströmung  und Vorbelüftung) 
- und Verteilungsverluste des Rohrsystems (entstehen durch fehlende oder mangelhafte Isolierung).

Mithilfe des Kesselwirkungsgrades können also schon genauere Aussagen darüber getroffen werden, ob die Heizanlage wirtschaftlich betrieben wird. Er bezieht sich grundsätzlich auf die Nennleistung des Kessels und wird während des Dauerbetriebs der Befeuerung gemessen. Allerdings läuft keine Heizung das komplette Jahr über 24 Stunden am Tag, weswegen nun noch der Jahresnutzungsgrad benötigt wird.

Jahresnutzungsgrad

Dieser Wert entspricht dem Anlagenwirkungsgrad über alle Betriebsphasen eines Jahres hinweg. Mit ihm lässt sich nun die Wirtschaftlichkeit der Heizungsanlage beurteilen. Dabei wird die über das komplette Jahr eingesetzte Energie in Form des verwendeten Brennstoffs mit der tatsächlich an das Heizsystem abgegebenen Energie verglichen.

Nur auf Basis des Jahresnutzungsgrades ist es möglich, eine realistische Kosten-Nutzen-Rechnung aufzustellen, die wiederum als Grundlage für Energiesparmaßnahmen dienen kann. Das kann sich beispielsweise auf die Optimierung oder Modernisierung der Heizanlage beziehen. Durch den Jahresnutzungsgrad lassen sich Wärmeverluste der Wärmeerzeuger durch Abstrahlung oder der Verlust durch die Kondensation des Wassers im Brennstoff ermitteln. Gleiches gilt für die benötigte Wärme, die bei häufigen Starts von Heizungen mit schlechtem Wirkungsgrad benötigt wird und bei niedrigen Brennerlaufzeiten bei zu groß dimensionierten Kesseln.

Trotz der hohen Wirkungsgrade moderner Heizungsanlagen von 90 Prozent oder mehr fällt der Jahresnutzungsgrad mit Werten zwischen 60 und 80 Prozent vergleichsweise gering aus. Der Jahresnutzungsgrad dient als verlässlicher Wert mit eindeutiger Aussagekraft, um die Wirtschaftlichkeit einer Heizung beurteilen zu können. 

Normnutzungsgrad

Der Normnutzungsgrad ist ein rein theoretischer Wert, mit dem sich Heizkessel vergleichen lassen. Zu dessen Bestimmung muss jeder Heizkessel vom Hersteller geprüft werden. Dabei werden verschiedene Einstellungen vorgenommen, die fünf Teillastbereichen entsprechen (12,8 %, 30,3 %, 38,8 %, 47,6 % und 62,6 %). Aus den so ermittelten Teilnutzungsgraden wird nach Ablauf der Testreihe der Normnutzungsgrad berechnet. Die Ermittlung des Normnutzungsgrads ist also nur auf dem Prüfstand möglich, weswegen er eher bei der Auswahl eines Heizkessels für eine neue Heizungsanlage zu Vergleichszwecken verwendet wird. Für bestehende Heizungssysteme ist er weniger relevant, da es hier einer individuellen Betrachtung bedarf.

Schornsteinfeger sind eine entscheidende Säule der Energiewende

Leider hören wir viel zu oft Aussagen wie "der Schornsteinfeger hat gesagt, unser Kessel hat noch Top-Werte. Solange das so ist, werde ich meine Heizung nicht modernisieren!"

Dabei ist zu beachten, dass die Messwerte des Schornsteinfegers nur die Verbrennung bewerten. Eine Aussage, ob die Heizung in Ordnung und wirtschaftlich ist, erfolgt leider nicht! So erklärt sich zumindest teilweise die Tatsache, dass über 700.000 Heizungen älter als 32 Jahre und zwei von drei Anlagen älter als 20 Jahre sind. 

Erschwerend kommt hinzu, dass jede alte Heizung, die gegen eine neue Brennwertheizung getauscht würde, einen finanziellen Nachteil für den Schornsteinfeger bedeutet. Denn moderne Brennwertheizungen müssen nur alle zwei Jahre gemessen werden. 

Bei der Umstellung auf eine Wärmepumpe entgehen dem Schornsteinfeger sogar dauerhaft die Einnahmen. 

Hier ist der Gesetzgeber gefordert, bessere Rahmenbedingungen mit klaren gesetzlichen Vorgaben zu schaffen. Denn ohne den Zuspruch der Schornsteinfeger, den Hauseigentümer von der Sinnhaftigkeit einer Heizungsmodernisierung zu überzeugen, wird die notwendige Sanierungsquote nicht möglich sein! Viel schlimmer - die Heizungen werden immer älter! 

Denkbar wäre zum Beispiel eine Austauschprämie für jeden alten Heizkessel, der im Kehrbezirk ausgetauscht würde. Geld genug ist dafür vorhanden. Denn Vater Staat verdient trotz hoher Fördergelder über die Mehrwert- und Gewerbesteuer an jeder getauschten Heizung kräftig mit. Lediglich die Steuereinnahmen, die auf den Brennstoff erhoben werden, werden langfristig geringer ausfallen.