Nahwärme und Nahwärmenetz:

Energie aus der Nachbarschaft

Neben der dezentralen Gebäudebeheizung mittels Heizkessel und der klassischen Fernwärmeheizung gibt es eine Mischform: die Beheizung mittels Nahwärme

Nahwärmenetze sind vor allem in entlegeneren Regionen, in denen sich der Ausbau von Fernwärmenetzen nicht lohnt, eine sinnvolle Alternative.

Im Gegensatz zu einem Fernwärmenetz bedient das Nahwärmenetz kleinere Einheiten, also beispielsweise Gewerbegebiete, Gemeinden oder Wohnsiedlungen mit Wärme.

Erzeugt wird die Wärme in der Regel vor Ort und sehr häufig auf Basis erneuerbarer Energien wie z. B. mittels Biomasse in Biogasanlagen mit angeschlossenen Blockheizkraftwerken.

Vor- und Nachteile von Nahwärme

Verbraucher benötigen, wenn sie ein Nahwärmenetz nutzen, keinen eigenen Wärmeerzeuger mehr und sparen dadurch Kosten, Platz und auch Zeit. Durch die niedrigeren Reparatur- und Instandhaltungskosten reduzieren sich auch die laufenden Kosten erheblich. Gegenüber dem Fernwärmenetz bringt das Nahwärmenetz noch den Vorteil eines höheren Wirkungsgrades mit sich, da die zu überwindenden Distanzen sehr viel kürzer sind.

Üblicherweise wird Nahwärme von den vor Ort ansässigen Versorgungsunternehmen wie z. B. Stadtwerken angeboten. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe privater Anbieter. Verbraucher sollten deren Konzepte zur Wärmeversorgung vor einem Vertragsabschluss jedoch stets gründlich prüfen. Besonderes Augenmerk sollte beispielsweise auf die Weiterversorgung bei einer Insolvenz des Betreibers gelegt werden.

Für wen stellt Nahwärme eine Alternative dar?

Der Anschluss an ein Nahwärmenetz ist besonders für Vermieter größerer Mehrfamilienhäuser interessant. Gleiches gilt für Wohnungsbaugesellschaften mit Wohnsiedlungsbestand. Aber auch Besitzer von Einfamilienhäusern, die kollektiv über eine zentrale Wärmeversorgung versorgt werden, können vom Anschluss an ein Nahwärmenetz profitieren.

In der Praxis zeigt sich, dass vor allem Wohngebiete mit Niedrigenergiehäusern oft über Nahwärme versorgt werden, da sie hier sowohl in technischer als auch ökonomischer Hinsicht die günstigste Lösung darstellt. Schon beim Bau der Immobilie werden größere finanzielle Spielräume geschaffen, da Kauf und Installation einer Heizanlage wegfallen. Hinzu kommt der geringere Ausstoß an CO2 im Vergleich mit Einzelheizungen, wenn sie mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Je nach Anbieter müssen Kunden jedoch mit einem höheren Wärmepreis pro Kilowattstunde rechnen.

Steht vor Ort ein Nahwärmenetz zur Verfügung, halten die entsprechenden Anbieter oftmals Komplettpakete für schlüsselfertige Versorgungsanlagen bereit, die sich in erster Linie an Hauseigentümer und Wohnungsgesellschaften richten und auch ein umfangreiches Servicepaket beinhalten.

Welche Kosten fallen bei Nahwärme an?

Die Kosten der Nahwärme sind für Abnehmer in etwa mit denen von Fernwärme vergleichbar. Auf der Seite des Anbieters werden zunächst Investitionen in eine Versorgungsanlage, das Netzsystem und in die einzelnen Hausanschlüsse und Übergabestationen notwendig. Die Investitionskosten werden über einen längeren Zeitraum hinweg den Abnehmern in Form des Grundpreises in Rechnung gestellt. Die Abrechnung der Brennstoffkosten wird über den Verbrauchspreis in Cent pro Kilowattstunde vorgenommen. Zuletzt kommen noch die Kosten für Wärmemengenzähler, Ablesungen und die Abrechnung selbst hinzu. Diese stellt der Betreiber dem Abnehmer als Verrechnungs- oder Messpreis in Rechnung.

Funktionsweise von Nahwärme

Nahwärme kann auf unterschiedlichste Weise und daher auch mit den verschiedensten Energieträgern produziert werden. Mithilfe der Kraft-Wärme-Kopplung kann in entsprechenden Blockheizkraftwerken gleichzeitig auch noch Strom produziert werden, der dann in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird.

Bild eines typischen Nahwärmekraftwerks

Bild eines typischen Nahwärmekraftwerks

Typische Kraftwerksarten sind:

  • Heizkraftwerk
  • Blockheizkraftwerk
  • Biomasseheizwerk
  • Biogasheizkraftwerk
  • und das Wärmepumpenheizkraftwerk

Ein Vorteil der Nahwärme liegt in den relativ kurzen Distanzen, die es beim Transport zu überwinden gilt, wodurch die Wärmeverluste im Nahwärmenetz gering ausfallen. Deswegen kann hier auch eine Wärme erzeugende Anlage mit relativ niedrigen Systemtemperaturen betrieben werden, weswegen beispielsweise auch Wärmepumpen für Nahwärme infrage kommen.

Das erwärmte Wasser wird über Stahlrohre zum jeweiligen Hausanschluss transportiert und landet dort in der Übergabe- oder Kompaktstation. Die Wärme des Nahwärmewassers wird nun in der Übergabestation über einen Wärmetauscher auf das Heizungs- oder Brauchwasser übertragen. Anschließend wird es mittels Umwälzpumpe in das Heizsystem oder zu den einzelnen Abnahmestellen gepumpt.

Wie umweltfreundlich ist Nahwärme?

Das Konzept des Nahwärmenetzes befasst sich in erster Linie mit dem Wärmetransport, weniger mit deren Erzeugung. Im Endeffekt ist die Umweltfreundlichkeit eines Nahwärmenetzes also von der zur Wärmeerzeugung genutzten Energiequelle abhängig. In der Praxis werden sehr viele Nahwärmenetze mit erneuerbaren Energien wie z. B. Biogas betrieben und stellen daher eine nahezu CO2-neutrale Alternative zu anderen Heizmethoden dar. Darüber hinaus fördert die Energieproduktion vor Ort lokale bzw. regionale Wirtschaftskreisläufe, was zusätzlich dem Aspekt der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit Rechnung trägt.