Der Blower-Door-Test

Auf der Suche nach undichten Stellen

Kalte Zugluft, die ungehindert von außen eindringt, sorgt vor allem in den kühlen Herbst- und Wintermonaten für höhere Heizkosten. Aber wie findet man die undichten Stellen?

Wo kalte Luft hereinkommt, entweicht auch die warme Luft und die Wohnung kühlt langsam aus, wenn nicht vermehrt nachgeheizt wird. Um diesem Problem zu begegnen, kann der sogenannte Blower-Door-Test durchgeführt werden, fachlich korrekt auch als Differenzdruck-Messverfahren bezeichnet. 

Erste Maßnahmen gegen Zugluft

Dringt kalte Zugluft in die Wohnung ein, können schon einige leicht durchzuführende Maßnahmen hilfreich sein. Die Kippfunktion von Fenstern und Balkontüren sollte in der kalten Jahreszeit möglichst nicht genutzt werden, da die Wohnung auf diesem Wege auskühlt. Stattdessen empfiehlt sich regelmäßiges Stoßlüften, bei dem mehrmals täglich alle Fenster komplett geöffnet werden. 

Auch Haus- bzw. Eingangstüren sind nicht immer so dicht, wie sie sein sollen. Unter ihnen zieht gerne mal eine kühle Brise durch, was sich aber durch das Anbringen eines Dichtungsbandes beheben lässt. 

Funktionsweise des Differenzdruck-Messverfahrens (Blower-Door-Test)

Mit dem Blower-Door-Test lässt sich feststellen, wie dicht ein Gebäude wirklich ist. Wärmelecks lassen sich durch das Verfahren aufspüren und anschließend gezielt beseitigen. Zu Beginn dieses Tests wird ein besonders starker Ventilator in einer Tür oder einem Fenster angebracht. Wichtig ist, dass alle anderen Türen und Fenster des Hauses im weiteren Verlauf dicht verschlossen bleiben.

Der Ventilator bläst nun die Luft von innen nach außen, die Luft wird also regelrecht aus dem Haus gesogen, wodurch darin ein Unterdruck entsteht. Auch die umgekehrte Variante ist möglich, indem Luft in das Haus geblasen wird und so ein Überdruck zustande kommt. Von Bedeutung ist lediglich, dass zwischen draußen und drinnen eine Druckdifferenz von rund 50 Pascal entsteht. Diese Differenz entspricht in etwa der Windstärke 5, also einer frischen Brise. 

Sobald ein konstanter Druck herrscht, wird moderne Messtechnik hinzugezogen, mit deren Hilfe Luftwechselrate und Volumenstrom gemessen werden. Wird dabei eine besonders hohe Luftwechselrate festgestellt, deutet dies auf ein Wärmeleck hin. Anhand der Größe des Volumenstroms lässt sich abschätzen, wie groß dieses Leck ist.

Lecks in der Gebäudehülle ausfindig machen

Nun stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, mit denen sich die Wärmeleckagen auffinden lassen. Dazu reicht es manchmal schon aus, verdächtige Stellen mit der Hand abzutasten. Früher wurden zu diesem Zweck auch öfter Nebelmaschinen eingesetzt, um die Leckage anhand der Bewegung des Dampfes sichtbar zu machen. Heute finden Wärmebildkameras Verwendung. Da nachströmende Luft die umgebenden Gebäudeteile abkühlt, können diese Stellen per Thermographie leicht identifiziert werden. Ausströmende, warme Luft wird auf Wärmebildern besonders hell wiedergegeben. 

Wie dicht müssen Häuser sein?

Bei Einfamilienhäusern ist im Rahmen von Blower-Door-Tests eine Luftwechselrate von 3 üblich. Das bedeutet, dass die Luft innerhalb einer Stunde und bei einem Druck von 50 Pascal dreimal komplett ausgetauscht wird. Bei modernen Passivhäusern ist dieser Wert schon deutlich geringer. Hier gilt nämlich ein oberer Grenzwert von 0,6. Angesichts derart geringer Raten ist klar, dass Passivhäuser einer besonderen Lüftung bedürfen, um feuchte Luft nach außen zu transportieren. Da eine Schimmelbildung vermieden werden muss, verfügen Passivhäuser über Lüftungsanlagen, die den Luftaustausch automatisch regulieren. Ein derart "luftdichtes" Haus bringt natürlich eine Reihe an Vorteilen mit sich: Der Energieverbrauch wird stark verringert, Fußkälte vermindert, Feuchtigkeitsschäden durch Kondensation auf ein Minimum reduziert und zudem noch der Schallschutz verbessert.

Blower-Door-Test für Neubauten bereits Pflichtprogramm

Dank des Blower-Door-Tests lassen sich konvektive Wärmebrücken frühzeitig erkennen und Schwachstellen an der Außenhülle des Gebäudes treffsicher identifizieren. Das Verfahren sollte daher im günstigsten Falle durchgeführt werden, bevor der Innenausbau beginnt. Auch im Zuge einer Sanierung ist es sinnvoll, diesen Test durchzuführen, da sich kleinere Schäden im Rahmen der ohnehin schon begonnenen Arbeiten schneller beheben lassen.

Die Kosten für einen solchen Test belaufen sich, je nach Gebäudegröße, auf Beträge zwischen 250 und 1.000 Euro. Wird der Test im Rahmen einer Vollsanierung oder eines Hausbaus durchgeführt, besteht die Möglichkeit, diese Investition durch staatliche Mittel über KfW und BAFA fördern zu lassen. Bei Neubauten ist der Blower-Door-Test mittlerweile ohnehin Pflicht, damit die Anforderungen, die sich aus der Energieeinsparverordnung (EnEV) ergeben, erfüllt werden können.