Was Sie zum Energieausweis wissen sollten

Seit dem vergangenen Jahr ist die neue Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) in Kraft. Mit ihr werden die Vorgaben der EU-Richtlinie für energieeffiziente Gebäude 2010 in nationales Recht umgewandelt.

Die neue Verordnung ist sowohl für Bauherren als auch für Haus- und Wohnungseigentümer, die einen Verkauf oder eine Vermietung beabsichtigen, von hoher Relevanz. Denn was die Vorlage des Energieausweises anbelangt, wurden die Anforderungen merklich verschärft.

Warum ein Energieausweis?

Grundsätzlich dient der Energieausweis der Bewertung eines Gebäudes unter energetischen Gesichtspunkten. Es lassen sich also Rückschlüsse darüber ziehen, wie hoch der Energiebedarf bzw. Energieverbrauch eines Gebäudes ist. Je nachdem, ob es sich um einen Bedarfs- oder einen Verbrauchsausweis handelt, sind in ihm Primär- und Endenergiebedarf oder der Energieverbrauchskennwert eingetragen.

Auf der einen Seite soll dies dem Käufer- bzw. Mieterschutz dienen, da diese mithilfe des Energieausweises problemlos feststellen können, wie es um den Energieverbrauch und folglich auch um die entsprechenden Kosten eines Gebäudes bestellt ist. Auf der anderen Seite soll durch den Energieausweis auch die Energiewende vorangetrieben werden, indem die energetischen Mindeststandards sukzessive angehoben werden.

EnEV 2014: Die Änderungen beim Energieausweis

Durch die Novellierung der ursprünglichen EnEV 2009 zur EnEV 2014 kommen einige Änderungen bzw. Neuerungen zum Tragen. So sind künftig die Bundesländer dazu verpflichtet, die Energieausweise stichprobenartig zu kontrollieren. Darüber hinaus müssen sie die Einhaltung der Neubauanforderungen gewährleisten und Inspektionsberichte von Klimaanlagen vorlegen.

Mit der EnEV 2014 werden nun auch Registriernummern vergeben, deren Vergabe von einer zentralen Registrierstelle übernommen wird. Aktuell wird diese Aufgabe vom Deutschen Institut für Bautechnik übernommen. Die Registriernummer ist auf allen Seiten des Ausweises abgedruckt, was die Stichprobenkontrollen vereinfachen soll und der Ausweis (auch in Auszügen) jederzeit eindeutig einem Objekt zugeordnet werden kann. Kommt es zu einer nachträglichen behördlichen Prüfung des Energieausweises, so sind vom Aussteller sowohl die Berechnung als auch alle dazugehörigen Daten vorzulegen.

Für Hauseigentümer mit verbrauchsbasiertem Energieausweis kann das - je nach erfolgter Zuarbeit - bedeuten, dass sie die Verbrauchabrechnungen über einen Zeitraum von 10 mindestens Jahren aufheben müssen.

Auch sind Verkäufer und Vermieter mittlerweile dazu verpflichtet, energetische Kennwerte bereits in Immobilienanzeigen anzugeben. Bei einer erfolgten Vermietung bzw. einem Verkauf sind sie verpflichtet, dem Mieter oder Käufer eine Kopie des Energieausweises auszuhändigen.

Auch optisch hat sich etwas geändert. Die im Energieausweis abgedruckte Farbskala ist fortan in Energieeffizienzklassen von A+ bis H unterteilt. Wie bei Elektrogeräten bereits seit Längerem üblich, werden nun auch Gebäude in verschiedene Energieeffizienzklassen eingestuft. Darüber hinaus wurden auch die Regeln, die für die Erstellung des Ausweises gelten, weiter verschärft. Auf diesem Wege soll einer Manipulation von Ergebnissen vorgebeugt werden. Die Änderungen gehen aber auch mit einem erhöhten Arbeitsaufwand einher.

Wer benötigt wann einen Energieausweis?

Angesichts der Neuerungen und Verschärfungen kommt verständlicherweise immer häufiger die Frage auf, wer nun eigentlich einen Energieausweis in welcher Variante benötigt. Bei Neubauten ist der Energieausweis grundsätzlich verpflichtend. Der Eigentümer muss dafür Sorge tragen, dass ihm mit der Fertigstellung des Gebäudes ein bedarfsbasierter Energieausweis ausgehändigt wird.

Bei Bestandsgebäuden besteht hingegen keine grundsätzliche Pflicht zum Energieausweis. Erst im Falle einer Vermietung oder eines Verkaufs ist der Eigentümer verpflichtet, sich einen Ausweis ausstellen zu lassen. Dies muss frühzeitig geschehen, da bestimmte Energiekennziffern bereits in der Anzeige auftauchen und der Energieausweis beim Besichtigungstermin ausliegen müssen. Ob bei Bestandsgebäuden ein Energieverbrauchsausweis ausreichend ist oder ein deutlich teurer Energiebedarfsausweis erstellt werden muss, hängt von der Beschaffenheit des Gebäudes und der Anzahl an Wohnungen ab.

Befinden sich in Gebäude weniger als fünf Wohnungen und erfüllt es die Anforderungen aus der Wärmeschutzverordnung von 1977, ist ein verbrauchsbasierter Energieausweis ausreichend. Erfüllt es diese Anforderungen jedoch nicht, muss ein bedarfsbasierter Ausweis beantragt werden.

Für Bestandsgebäude mit mindestens fünf Wohnungen oder mehr ist derzeit ein Energieverbrauchsausweis ausreichend.

Variante 1: Verbrauchsbasierter Energieausweis

Der verbrauchsbasierte Energieausweis ist wegen des geringeren Aufwandes, der mit seiner Erstellung verbunden ist, um einiges günstiger als die auf dem Energiebedarf basierende Variante. Dafür müssen jedoch auch Abstriche hinsichtlich der Aussagekraft gemacht werden. Das liegt daran, dass für diesen Ausweis Verbrauchswerte aus der Vergangenheit herangezogen werden, die nicht zwangsläufig mit dem künftigen Verbrauch übereinstimmen müssen. Deswegen kann für einen Neubau logischerweise auch kein Energieverbrauchsausweis ausgestellt werden. Für die Erstellung des Ausweises werden die Verbrauchswerte der vergangenen drei Jahre sowie wichtige Kennwerte des Gebäudes herangezogen. Diese werden dann in Verbindung mit Modernisierungsempfehlungen im Ausweis festgehalten. Die Anfertigung des Ausweises wird noch dadurch erleichtert, dass kein Ortstermin mit einem Energieberater notwendig ist. Alle benötigten Daten können selbst ermittelt und angegeben werden. Diese werden dann nur noch von einem Fachmann überprüft und anschließen in den Energieausweiseingetragen.

Variante 2: Bedarfsbasierter Energieausweis

Wesentlich umfangreicher gestalten sich hingegen die Maßnahmen, die zur Erstellung eines Energiebedarfsausweises nötig sind, wie er bei Neubauten und schlecht gedämmten Altbauten erforderlich ist. Auf dem bedarfsbasierten Ausweis werden sowohl Primär- als auch Endenergiebedarf festgehalten. Ersterer dient als Maß für die Umweltverträglichkeit des Gebäudes. Letzterer ist hilfreich, um die zu erwartenden Energiekosten besser abschätzen zu können.

Einer der in diesem Rahmen wichtigsten zu ermittelnden Kennwerte ist der Wärmedurchgangskoeffizient, auch als U-Wert bezeichnet. Dieser muss beispielsweise für Außenwände, das Dach und Fenster berechnet werden. Der U-Wert gibt an, wie viel Wärmeenergie innerhalb eines bestimmten Zeitraums durch einen festen Körper entweicht. Gemessen wird er in Watt pro Quadratmeter und Kelvin (W/m²K). Käufer eines Gebäudes können so ermessen, ob für das infrage kommende Gebäude möglicherweise Sanierungsmaßnahmen in die Wege geleitet werden müssen.

Welche Kosten sind mit einem Energieausweis verbunden?

Wie oben bereits erwähnt, ist der verbrauchsbasierte Energieausweis deutlich günstiger zu haben als der auf die Energiebedarf aufbauende Variante. Die Kosten für einen Energieverbrauchsausweis sind üblicherweise im Bereich zwischen 60 und 100 Euro angesiedelt. Der Energiebedarfsausweis macht sich mit Preisen ab 400 Euro schon etwas mehr im Budget bemerkbar. Die hohen Kosten sind dem Aufwand geschuldet, der für die Erstellung eines energetischen Gesamtbildes betrieben werden muss. Dafür erhält der Hauseigentümer aber auch einen vom Inhalt her wesentlich aussagekräftigeren Ausweis.

Wer darf einen Energieausweis ausstellen?

In der EnEV ist sehr detailliert geregelt, wer einen Energieausweis ausstellen darf. Gemäß der aktuellen EnEV 2013 dürfen Personen mit einem berufsqualifizierten Hochschulabschluss und Handwerker mit einer entsprechenden Ausbildung einen Energieausweis erstellen. Darüber hinaus gibt es noch Ausnahmeregelungen, die insbesondere Berufe betreffen, in deren Rahmen die energetische Gebäudesanierung und deren technische Aspekte eine herausragende Rolle spielen. Energieberater haben sich bei der Suche stets als gute Ansprechpartner erwiesen.

Energieausweis als Grundlage für Modernisierungsmaßnahmen

Auch wenn ein bedarfsorientierter Ausweis gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, kann es im Einzelfall doch besser sein, diesem gegenüber dem Energieverbrauchsausweis den Vorzug zu geben. Vor allem dann, wenn Modernisierungsmaßnahmen angestrebt werden, erweist sich der bedarfsbasierte Ausweis wegen seines genaueren Berechnungsverfahrens als die zuverlässigere Quelle, was Anlagentechnik und Gebäudedämmung anbelangt. Bei Modernisierungsempfehlungen sollte jedoch immer auch der tatsächliche Verbrauch mit berücksichtigt werden, damit sich realistische Einsparpotenziale berechnen lassen können, in deren Folge keine zu hohen Rentabilitätserwartungen stehen.

Noch mehr Infos zum Thema Energieausweise finden Sie auf der Webseite der Deutschen Energie-Agentur DENA