Gleichrangige Leitlinien und Energiepreisgestaltung sind unerlässlich

Der Dreiklang der Energiewende mit den Leitlinien „Energiebedarf verringern“, „Nutzung erneuerbarer Energien“ und „Sektorkopplung“ ist mit Blick auf die politischen Ziele ein notwendiger und erfolgversprechender Weg.

Ohne eine Reduzierung des Energiebedarfs in allen Sektoren sowie Energieeffizienz in Verbrauch und Erzeugung sind die Energie- und Klimaziele nicht zu erreichen. Strom wird dabei sicher zur Leitenergie und durch die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen zur „Primärenergie“[1]. Klarzustellen ist aber, dass die drei Leitlinien keine hierarchische Rangfolge darstellen können und dürfen:

  • Laut Grünbuch des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWi) geht es „darum, die Kosteneffizienz der Energiewende zu erhöhen und die Abhängigkeit von Energieimporten mittel bis langfristig zu verringern. … Bei dem Dreiklang aus Energieeffizienz, direkt genutzten erneuerbaren Energien und Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien ist die gesamt- und betriebswirtschaftliche Kosteneffizienz zu berücksichtigen.“
  • Die starre hierarchische Anwendung der Leitlinien muss unter diesen Aspekten schon deswegen scheitern, weil die Vorteile der Sektorkopplung nur dann gehoben werden können, wenn sie die Reihenfolge der Investitionsentscheidungen beeinflusst. Steht die Sektorkopplung erst an dritter Stelle, kann sie Ihren Einfluss nur noch bedingt in dem dann bereits bestehenden Rahmen aus Effizienz und direkt erneuerbaren Energien entfalten.
  • Deutlich wird die Schwäche einer als Rangfolge verstandenen Anwendung der Leitlinien auch am Beispiel der Nutzung von erneuerbarem Strom in elektrischen Wärmepumpen. Diese nutzen zum größeren Teil (bis zu 80%) direkt erneuerbare Energien. Gleichzeitig sind elektrischen Wärmepumpen eine Sektorkopplungstechnologie, bei der der erneuerbare Strom genutzt wird, um mit einem möglichst großen Hebel die Effizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien zu realisieren und gleichzeitig eine Flexibilität für das Energieversorgungssystem bereitzustellen.

Erst die Gleichzeitigkeit aus Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energien und effizienter Sektorkopplungstechnologien garantiert eine betriebs- und volkswirtschaftlich optimierte und nachhaltige Wärmewende und ist die tragenden Säule dieses groß angelegten Transformationsprozesses. Alle drei Bereiche müssen gleichrangig nebeneinander stehen, um die gesamt- und betriebswirtschaftliche Kosteneffizienz wirklich zu erreichen. Zentral bei der Gestaltung des zukünftigen Energieversorgungssystems ist die Tatsache, dass über die Kopplung der Sektoren die Investitionsentscheidungen zu Gunsten von Energieeffizienz und erneuerbarer Energien nicht mehr nur innerhalb eines Sektors, sondern über Sektoren und Anwendungen hinweg getroffen werden. Wie wiederum im BMWi Impulspapier 2030[2] bereits angedeutet, bedarf es dafür eine Entwicklung hin zum (sektorübergreifenden) Energiemarkt 2.0.

  • Das BMWi hat in der Studie „Black Swans (Risiken) in der Energiewende“[3] untersuchen lassen, welche schwerwiegenden Risiken den Erfolg der Energiewende gefährden könnten: „Die Energiewende ist ein langfristiges Projekt, ihre Zielvorgaben reichen bis ins Jahr 2050. Unsicherheiten wachsen mit zunehmendem Zeithorizont. Zudem steigt damit die Wahrscheinlichkeit von aus heutiger Sicht unerwarteten Ereignissen und Entwicklungen. Wesentlich für das Gelingen der Energiewende ist die Gewährleistung möglichst adäquater und stabiler Rahmenbedingungen. Dazu zählen insbesondere stabile politische und wirtschaftliche Verhältnisse, die Akzeptanz der Energiewende, technologischer Fortschritt und stabile Infrastrukturen, soziale und gesellschaftliche Stabilität sowie der Zugang und die Verfügbarkeit von Rohstoffen.“
  • Insgesamt zeigte die Analyse, dass die Energiewende gegenüber möglicherweise auftretenden Risiken weitgehend robust und resilient ist, d.h., die Energiewende setzt auch unter Stress und Belastungen ihren angestrebten Pfad fort – mit einer Ausnahme: Von den rund 150 „Ur-Ereignissen“, die am Anfang der Studie als potentielle Risiken aufgelistet worden, bleibt am Ende ein Risiko übrig – nämlich, dass die Signale, die von den Energiepreisen ausgehen, die entscheidenden Faktoren für das Gelingen der Energiewende sind: „Eine Ausnahme bildet die Änderung der Energiepreise – sowohl der Weltmarkt-Rohstoffpreise (Erdöl, Kohle, Gas) als auch der Verbraucherpreise. Sinken deren Preise, beeinflusst dies die Energiewende deutlich. Die Ursachen für Preisänderungen bei Energierohstoffen entziehen sich der direkten Intervention. Vor diesem Hintergrund sollte ein Risikomanagement für die Energiewende hier ansetzen und diesen Schwarzen Schwan in die strategischen Überlegungen und Zieldefinitionen einbeziehen. Zu erwägen ist zum Beispiel die Stärkung des CO2-Handels ebenso wie die Flexibilisierung von Förderinstrumenten, um die Anreize für die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen aufrecht zu erhalten. Auch könnte das „Verursacherprinzip“ gestärkt und damit externe Kosten stärker in die (beeinflussbaren) Komponenten der (Verbraucher-)Energiepreise einbezogen werden.“
  • Im Grünbuch Energieeffizienz wird diese Problematik im Kapitel 4.2 unter dem Absatz „Niedrigpreisumfeld“ bereits thematisiert.

Daher sollte die im Grünbuch angesprochene Weiterentwicklung des Instrumentariums besonders an den Instrumenten „Preissteuerung“ und „Mengensteuerung“ ansetzen: „Preissteuernde Instrumente sind grundsätzlich marktkonform, gewährleisten Kosteneffizienz und entsprechen dem Verursacherprinzip. … als Instrumente der Preissteuerung sind sowohl eine Anpassung der bisherigen Energie- und Stromsteuer, die Einführung einer (ggf. europaweit erhobenen) CO2-Steuer als auch Bonus-Malus-Systeme denkbar.“

Im Sinne der Studie „Black Swans“ sind stabile Rahmenbedingungen bzgl. der Energiepreise das entscheide Instrument zur Absicherung der Energiewende. Diese können direkt oder indirekt (Mengensteuerung) staatlich beeinflusst werden. Für jede einzelne Investitionsentscheidung ist der Einfluss der aktuellen und zu erwartenden Energiepreise eine - wenn nicht sogar die - entscheidende Größe. Stabile Rahmenbedingungen in dieser Hinsicht bedeuten: Politisch gesetzte und stabile Energiepreissignale bzw. Energiepreisfunktionen (Abgleich zwischen Energieangebot und Energienachfrage), die den Investitionsentscheidungen in die Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau der erneuerbaren Energien eine klare Berechnungsgrundlage geben.

 


[2] www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/strom-2030,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf

[3] www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/Studien/black-swans-risiken-in-der-energiewende,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf

Der Autor Dr. Kai Schiefelbein 

Seit Anfang 2007 Mitglied der Geschäftsführung der STIEBEL-ELTRON-Gruppe.

Verantwortungsbereiche:

Produktion und Entwicklung in den fünf Werken der Gruppe in Holzminden, Eschwege, Poprad, Tianjin und Ayutthaya

  • Qualitätswesen
  • Einkauf
  • Logistik
  • IT
  • Personalwesen
  • Rechtsabteilung
  • Verbandsarbeit

Zuvor seit Januar 2005 Mitglied der Geschäftsleitung der STIEBEL-ELTRON-Gruppe und gleichzeitig Leiter des Geschäftsbereiches Systemtechnik (Produktmanagement, Entwicklung und Fertigung von Wärmepumpen, Lüftungssystemen und Klimageräten) sowie  Geschäftsführer des Tochterunternehmens Tecalor

Eintritt in das Unternehmen STIEBEL ELTRON im September 1997 als Entwicklungsingenieur für Heizgeräte und Wärmepumpen; seit März 1999 Entwicklungsleiter für Wärmepumpen und Lüftungsanlagen, seit 2001 zusätzlich Fertigungsleiter für Wärmepumpen und Lüftungsanlagen. Tecalor-Geschäftsführer von 2001 bis Ende 2006.

War zuvor Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Thermodynamik und Klimatechnik an der Universität GH Essen unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. F. Steimle

Promovierte 1997 mit Auszeichnung zum Thema "Theoretische und experimentelle Untersuchung von Stirling-Kältemaschinen für die Kältebereitstellung bei Temperaturen oberhalb von ‑40°C"

Studierte an der Universität GH Essen Maschinenbau, Fachrichtung Energietechnik, beendete das Studium 1993 als Diplom-Ingenieur                                              

Sonstige Tätigkeiten: 
Vorstandsmitglied im Bundesverband Wärmepumpe, zuständig für das Ressort Technik (seit 11/2002)

Leiter der Arbeitsgruppe Wärmepumpe des BDH (seit 10/2003)

Stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Wärmepumpe (seit 12/2005)