Legionellen

Legionellen: Die Gefahr aus dem Trinkwasser! Laut Schätzungen des Umweltbundesamtes erkranken jährlich zwischen 20.000 und 35.000 Personen an der Legionärskrankheit. Grund ist unzureichende Information bei Hausbesitzern und technische Mängel. 

Was sind Legionellen und wie gelangen sie ins Trinkwasser?

Bei Legionellen handelt es sich um Bakterien, die im Wasser vorkommen und zu schweren Krankheiten führen können. Namensgebend war hier die Legionärskrankheit, auch als "Pontiac-Fieber" bezeichnet. Der Krankheitsverlauf ist oftmals schwer und ein tödlicher Ausgang nicht auszuschließen. Legionellen bilden sich bevorzugt an schlecht durchspülten Stellen im Leitungssystem. Ein Wassertemperaturbereich zwischen 30 °C und 45 °C ist für ihre Vermehrung ideal. Wahrnehmbar sind die Bakterien als eine Art Biofilm, also Schleimschicht aus Mikroorganismen. Hierauf finden Keime und Bakterien die ideale Brutstätte.

Gefährdung durch Legionellen in öffentlichen Gebäuden

In den Nachrichten tauchen Legionellen bzw. kontaminierte Leitungssysteme in immer kürzeren Abständen auf. Vor allem das Trinkwasser öffentlicher Gebäude und Einrichtungen wie Schulen, Schwimmbäder und Krankenhäuser wird dabei regelmäßig in den Fokus gerückt. Das sorgt für eine entsprechend hohe Unsicherheit auf der Seite der Verbraucher: Warum treten gerade dort vermehrt Legionellen auf? Können mir diese Bakterien auch zu Hause gefährlich werden?

Der gefürchtete Biofilm tritt in erster Linie in alten und schlecht geplanten Leitungssystemen auf, in denen es viele Stellen gibt, die schlecht oder zu selten durchflossen werden. Besonders Trinkwassersysteme, die über einen längeren Zeitraum hinweg nicht durchspült werden, sind besonders gefährdet. Typische Beispiele sind Schulen während der Ferienzeit, Schwimmbäder außerhalb der Saison und Mietwohnungen bei langem Leerstand, denn hier werden die Leitungen durch den sehr geringen Wasserverbrauch nur schlecht durchspült.

Legionellen in privaten Haushalten

Auch in privaten Haushalten kann eine Gefährdung durch Legionellen auftreten. Dies gilt vor allem für alte und große Mehrfamilienhäuser mit entsprechend alten Leitungssystemen. Leerstände können die Gefahr einer Belastung zusätzlich erhöhen.

Eine Infektion durch Legionellen findet statt, sobald die Bakterien in tiefere Lungenabschnitte gelangen können. So kann die Verwendung von mit Trinkwasser befüllten Luftbefeuchtern die Gefahr einer Infektion massiv erhöhen, da hier das mit Legionellen befallene Wasser fein zerstäubt wird, wodurch es eingeatmet werden kann. Das Trinken von verunreinigtem Wasser ist hingegen nur dann problematisch, wenn es in die Luftröhre gelangt. Als besonders gefährdet gelten Menschen mit schwachen Immunsystemen.

Im Falle einer Infektion zeigen sich die ersten Beschwerden innerhalb von 2 bis 10 Tagen nach dem ersten Kontakt mit Legionellen. Typische Symptome sind hohes Fieber, Brust- und Kopfschmerzen. Wird infolgedessen eine Lungenentzündung diagnostiziert, kann diese ein deutlicher Hinweis auf eine Belastung durch Legionellen im Trinkwassersystem sein.

Üblicherweise sind Legionellen Auslöser der Legionärskrankheit. Zu deren Symptomen zählen Schüttelfrost und Fieber, welches in Schüben auf 39 bis 40 Grad ansteigen kann. Auch Erbrechen und Gliederschmerzen zählen zu den Symptomen. Im Extremfall können infolge einer Infizierung auch Lungenentzündungen und Nierenversagen auftreten. Darüber hinaus können aber auch schon Anfälle von Übelkeit auf Legionellen zurückzuführen sein.

Der etwas seltenere und mildere Verlauf einer Legionellen-Infektion wird als Pontiac-Fieber bezeichnet, da hier keine Lungenentzündung auftritt. Die Inkubationszeit liegt auch hier zwischen zwei und zehn Tagen. Sollte man sich durch den Befall von Legionellen im Trinkwasser mit der Legionärskrankheit infiziert haben, bedarf es dringend ärztlicher Hilfe. Anschließend sollte die Quelle der Infektion identifiziert und umgehend beseitigt werden. Die Gefahr einer Ansteckung von einer Person zu einer anderen besteht jedoch nicht.

Welche Schutzmaßnahmen gibt es?

Ob es bereits zu einer Verkeimung im Trinkwasser gekommen ist, lässt sich anhand einer fachgerecht durchgeführten Wasserprobe mit anschließender Analyse ermitteln. Im Anschluss daran wird dem Betreiber der Trinkwasseranlage das Ergebnis mitgeteilt. Dieser sollte, falls erforderlich, umgehend Gegenmaßnahmen einleiten. Wichtig ist, immer die richtige Warmwassertemperatur zu gewährleisten! 

Verlauf der Ansteckung

Auch wenn es als naheliegend wahrgenommen wird, erfolgt eine Ansteckung mit Legionellen in der Regel nicht durch das Trinken von verunreinigtem Wasser. Vielmehr erfolgt die Infektion in erster Linie über die Lunge. Folglich kann es durch das Einatmen von legionellenhaltigen Wassertröpfchen, den sog. Aerosolen, zu einer Infektion kommen. Eine Ansteckung findet also in erster Linie dort statt, wo viel Wasser zerstäubt wird. Typische Gefahrenquellen sind folglich Duschen, Wasserhähne, Luftbefeuchter und Klimaanlagen. Auch in Schwimmbädern kann es leicht zu einer Ansteckung kommen, wenn sich dort Whirlpools, künstliche Wasserfälle, Fontänen und rutschen befinden.

Demgegenüber ist das Trinken von mit Legionellen belastetem Wasser weitestgehend ungefährlich. Eine Gefahr besteht nur, wenn das Wasser versehentlich durch Verschlucken in die Luftröhre gelangt. Vor allem Menschen mit Immunschwächen und vorhergehenden Lungenerkrankungen sollten sich vor einer Infizierung in Acht nehmen. Zudem hat sich gezeigt, dass Raucher häufiger betroffen sind als Nichtraucher.

Legionellen vermeiden: Vorbeugende Maßnahmen im Haushalt

Eine Impfung gegen Legionellen ist nicht möglich. Es müssen also Mittel und Wege gefunden und zum Einsatz gebracht werden, sie vom Trinkwasser fernzuhalten. Wie oben bereits erwähnt, kommen Legionellen bevorzugt in Warmwasser bzw. Warmwasserleitungen vor. Deswegen ist es empfehlenswert, Trinkwasser entweder besonders kalt (unter 25 °C) oder besonders warm (über 55 °C) zu speichern und möglichst ständig im Fluss zu halten. Mithilfe der folgenden Maßnahmen lässt sich das Risiko einer Ansteckung auf ein Minimum reduzieren.

1. Durchlauferhitzer und Gastherme. Diese Geräte schützen vor Legionellen, da sie das Brauchwasser erst kurz vor Gebrauch erwärmen. Wichtig ist jedoch, dass die Temperatur mindestens 55 °C beträgt.

2. In Häusern, in denen das Wasser mittels Warmwasserspeicher erwärmt wird, sollte der Temperaturregler stets auf mindestens 60 °C eingestellt sein. In den Wasserleitungen sollte die Temperatur nicht unter 55 °C fallen. Dies kann schnell passieren, wenn zum Beispiel die Zirkulationspumpe defekt ist. 

3. Wasserleitungen sollten einer regelmäßigen Nutzung unterliegen, damit das Wasser darin nicht stagniert. Auch sollten die einzelnen Leitungen nicht übermäßig lang sein.

4. Alle Leitungen sollten regelmäßig durchflossen werden und die gleiche Temperatur aufweisen. Sollte dies nicht der Fall sein, kann ein hydraulischer Abgleich Abhilfe schaffen.

5. Durch eine gute Isolation der Leitungen für Kalt- und Warmwasser lassen sich die Wärmeverluste vermindern und der Energieaufwand reduzieren.

6. Warmwasserspeicher sollten so dimensioniert sein, dass sie dem Bedarf im Haushalt möglichst genau entsprechen. 

7. Bei Übernachtungen im Hotel oder in Ferienwohnungen sollte am besten erst einmal der Hahn aufgedreht und das abgestandene Wasser durchgelassen werden.

8. Durch den Einbau einer Wasserenthärtungsanlage kann das Risiko ebenso gesenkt werden, denn weiches Wasser enthält weniger Nährstoffe für Legionellen.

Technische Maßnahmen gegen Legionellen 

Thermische Desinfektion: Hierbei sind alle Zapfstellen des Haushalts zu öffnen, damit sie mindestens 3 Minuten lang mit mindestens 70 °C warmem Wasser durchströmt werden können.

Chemische Desinfektion: Hierbei erfolgt eine Desinfizierung mittels Chemikalien, wobei es sich um Chlor, Ozon oder Wasserstoffperoxid handeln kann.

UV-Strahlen: Mittels UV-Licht lässt sich ein Warmwasserspeicher physikalisch desinfizieren. Die Strahlung bewirkt Stoffwechselstörungen und eine Minderung der Fortpflanzungsfähigkeit bei den Legionellen, da sie direkt auf deren DNA abzielt. Die UV-Desinfektionsanlage wird direkt hinter dem Warmwasserspeicher installiert, um in den Zirkulationsleitungen stets das Wasser desinfizieren zu können.

Ultra-Filtration: Mit der Ultra- oder Mikrofiltration lassen sich besonders kleine Partikel aus dem Wasser herausfiltern - also auch Legionellen. Die einzelnen Poren sind nur 20 Millionstel Millimeter breit. Installiert wird ein solcher Filter direkt am Kaltwassereingang des Gebäudes, von wo aus er verhindert, dass Keime über die Wasserleitungen in das Haus gelangen können. Dieses Verfahren wird bereits erfolgreich bei großen Trinkwasseraufbereitungsanlagen sowie in einigen Schwimmbädern angewendet. Für den Privatgebrauch ist diese äußerst effektive Technik derzeit noch etwas zu teuer.

Legionellen durch defekte Zirkulationspume

Durch eine defekte oder falsch eingestellte Schaltzeiten an der Zirkulationspumpe stagniert Warmwasser in der Leitung und fördert das schnelle Wachstum von Legionellen. Diese wandern in den Warmwasserspeicher und werden von dort über das Warmwasser zur Dusche transportiert.  

Fazit: Ansteckungsgefahr durch Legionellen

Die oben geschilderten Fakten mögen zwar Bedenken auslösen, aber grundsätzlich muss man sich hierzulande nicht vor einer Ansteckung durch Legionellen fürchten. Der Grund liegt darin, dass Trinkwasser zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln gehört. Ganz ohne Vorsicht sollte man es dennoch nicht angehen lassen, denn offiziellen Zahlen zufolge infizieren sich jedes Jahr rund 600 Personen mit Legionellen. Laut Schätzungen des Umweltbundesamtes sind sogar zwischen 20.000 und 35.000 Personen von einer Erkrankung betroffen.

Legionellengefahr besteht vor allem in großen Gebäuden mit entsprechend ausgedehnter Leitungsführung, in denen die Zapfstellen zum Teil nur selten genutzt werden. Das trifft beispielsweise auf Krankenhäuser, Schulen oder Hotels zu. Dem lässt sich durch eine regelmäßige Kontrolle durch darauf spezialisierte Dienstleister entgegenwirken. Solche Kontrollen sind für Mehrfamilienhäuser bereits gesetzlich vorgeschrieben. Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern können sich an den hier bereits gegebenen Hinweisen orientieren oder auch selbst eine Prüfung durchführen lassen.

Zur Vorbeugung ist grundsätzlich davon abzuraten, an der falschen Stelle zu sparen. Zu den entsprechenden "Maßnahmen" gehören abgeklemmte Rohrleitungen, nur zur Hälfte geöffnete Ventile und lauwarmes Duschwasser aus Solaranlagen der Marke Eigenbau. Sie alle können einem ungestörten Legionellenwachstum Vorschub leisten. Demgegenüber verfügen Heizungen und Warmwasserspeicher, die mit einer modernen Regelungstechnik ausgestattet sind, über eine sogenannte Legionellenschaltung. Dank dieser wird die Warmwassertemperatur des Brauchwassers mehrmals pro Woche auf über 70 °C erhöht, um auf diese Weise alle Legionellen abzutöten. Haushalte, die über eine moderne Heizungsanlage verfügen, bergen demnach nur ein geringes Risiko.

Die Legionärskrankheit

Die Bezeichnung Legionärskrankheit hat ihren Ursprung an einem Treffen ehemaliger US-Soldaten (American Legion) in Philadelphia im Jahr 1976. Mehrere Teilnehmer dieses Treffens erkrankten an einer Lungenentzündung, die für eine solche jedoch nicht typisch zu sein schien und sich mit Penicillin nicht erfolgreich behandeln ließ. Der Erreger dieser Erkrankung konnte erst ein halbes Jahr später identifiziert werden: es handelte sich um das Bakterium Legionella pneumophila.

Die Lungenentzündung, die durch dieses Bakterium ausgelöst wird, kann tödlich enden. Legionellen kommen überall im Süßwasser vor, nicht jedoch im salzhaltigen Wasser der Meere. Es handelt sich dabei um stäbchenförmige Bakterien mit kleinen Geißeln, die der Fortbewegung dienen. Damit sich Legionellen vermehren können, benötigen sie eine Wassertemperatur zwischen 25 und 50 Grad Celsius. Liegt die Temperatur höher, sterben sie ab.

Zu einer Erkrankung kommt es jedoch nur, wenn die Legionellen eingeatmet werden. Das geschieht über feine Wassertröpfchen, wie sie beispielsweise beim Duschen oder in Whirlpools entstehen. Typische Gefahrenherde sind schlecht gewartete Rohrleitungssysteme und sanitäre Anlagen sowie Klimaanlagen und Luftbefeuchter.

Verlauf der Krankheit durch Legionellen

Nach etwa 2 bis 10 Tagen macht sich die Krankheit zum ersten Mal bemerkbar: Gliederschmerzen, Unwohlsein, Kopfschmerzen und Reizhusten sind erste Anzeichen einer Infektion. Schon kurze Zeit später kommen Schüttelfrost, hohes Fieber und Schmerzen im Brustraum hinzu. Hin und wieder klagen Patienten auch über Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Insofern entspricht das Krankheitsbild dem einer schwer verlaufenden Lungenentzündung, ohne dass sich die dafür üblichen Erreger finden lassen. Bei Personen mit verringerter Immunabwehr kann die Erkrankung schnell tödlich enden.