Erdgaspreis - Zusammensetzung und Vergleich

Die wichtigsten Fakten zum Erdgaspreis im Überblick

Im Jahr 2006 öffnete sich der Gasmarkt. Seitdem sind Verbraucher nicht mehr auf Gedeih und Verderb den Erdgaspreisen des lokalen Gasversorgers ausgesetzt, sondern können frei entscheiden, welcher Anbieter sie künftig beliefern soll. Infolgedessen hat auch der Einfluss der Verbraucher auf den Erdgaspreis zugenommen. Trotzdem wechseln jedes Jahr gerade mal 7 % der Gaskunden ihren Anbieter. Einer der Gründe für dieses Verhalten ist darin zu finden, dass die meisten Verbraucher gar nicht wissen, wie der Erdgaspreis eigentlich zustande kommt und warum ein anderer Anbieter deutlich günstiger sein kann.

Darüber hinaus ist es vielen Mietern gar nicht möglich, den Lieferanten zu wechseln, da der Vermieter der Vertragspartner des beliefernden Gasversorgers ist.

Zusammensetzung des Erdgaspreises

Wie auch beim Strom setzt sich der Preis beim Erdgas aus mehreren kostenrelevanten Faktoren zusammen. Dabei handelt es sich um- Kosten für Gasimport,- Kosten für Gaseinkauf seitens der Gasversorger,- Erdgassteuer,- Mehrwertsteuer,- Förder- und Konzessionsabgaben und- Netz- und Vertriebskosten sowie die Gewinnmarge der Energieversorger.

Im Vergleich zu Strom ist der Anteil der Steuern und Abgaben beim Erdgas mit rund 30 Prozent relativ gering. Im Gegensatz dazu liegt jedoch der Anteil der Kosten für Einkauf, Import und Netznutzung zur Verteilung bei 70 Prozent.

Rechnerisches zum Erdgaspreis: Kubikmeter und Kilowattstunden

Ein Blick auf den Gaszähler verrät bereits, dass das angelieferte Gas in Kubikmetern gezählt wird. Auf der jährlichen Heizkostenabrechnung findet sich diese Einheit zwar auch wieder. Dabei fällt jedoch auf, dass der Erdgaspreis in Kilowattstunden abgerechnet wird. Diese Umrechnung ist deswegen erforderlich, da der tatsächliche Energiegehalt in einem Kubikmeter Gas immer wieder leichten Schwankungen unterliegt und folglich auch nicht immer gleich hoch ist.

Dieser Umstand steht zum einen mit der Qualität des Gases, zum anderen mit der Lage der jeweiligen Abnahmestelle in Zusammenhang. Daher ist es nötig, den Erdgaspreis über die tatsächlich verbrauchten Kilowattstunden abzurechnen. Zu dessen Berechnung werden die Kubikmeter mit dem Brennwert und der sogenannten Zustandszahl multipliziert. Auf der jährlichen Abrechnung sollte dieser Rechenweg stets nachvollziehbar dargestellt werden.

Die Umrechnung von Kubikmetern in Kilowattstunden kann bei Verbrauchern schnell für Verwirrung sorgen. Verbraucher sollten darüber wissen, dass sowohl der Brennwert des Gases als auch die zugehörige Zustandszahl Daten sind, die von den Netzbetreibern zur Verfügung gestellt werden. Die Gasversorger selbst übernehmen lediglich diese Werte, weswegen es bei unterschiedlichen Gasversorgern auch keine Unterschiede bei den Brennwerten geben kann. Das bedeutet letztlich, dass beide Werte für den Erdgaspreis keine tragende Rolle spielen.

Wann kann der Erdgaspreis selbst bestimmt werden?

Wer ein Eigenheim in Form eines eigenen Hauses oder einer eigenen Wohnung mit separater Gasheizung bewohnt, besitzt in aller Regel auch einen eigenen Gaszähler und kann sich frei für einen Gasanbieter entscheiden. Dabei genügt es, wenn der neue Gasversorger mit der Kündigung beim alten Versorger beauftragt wird. Der Wechsel selbst verläuft unkompliziert und birgt Sparpotenziale, die sich schnell auf mehrere Hundert Euro pro Jahr belaufen können.

Wer jedoch zur Miete wohnt, hat es in den meisten Fällen nicht ganz so leicht. In vielen Mehrparteienhäusern befindet sich nur ein einziger Gaszähler. In den Wohnungen sind dafür Wärmemengenzähler an den Heizkörpern angebracht, über die sich dann der insgesamt gezahlte Gaspreis auf die einzelnen Wohnungen umlegen lässt. Mieter haben in solchen Fällen nur die Möglichkeit, den Vermieter zu einer Überprüfung des aktuellen Erdgaspreises aufzufordern, um gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln. Vermieter sind dem Grundsatz verpflichtet, Gas als auch Öl so preiswert wie möglich zu beziehen. Es gilt also auch hier das Wirtschaftlichkeitsgebot!

Erdgas - Ein Energieträger mit Zukunft

Erdgas gehört zweifelsohne zu den wichtigsten fossilen Energieträgern. Es besteht zum größten Teil aus Methan - auch wenn die chemische Zusammensetzung Schwankungen unterliegt. An der gesamten Energiegewinnung hat Erdgas derzeit einen Anteil von 25 %. Dieser Wert wird künftig wohl noch weiter ansteigen.

Bereits seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird Erdgas als Energiequelle eingesetzt. Die Vorkommen haben sich über Jahrmillionen unter Sauerstoffabschluss und hohem Druck gebildet - ähnlich also wie beim Erdöl. So sind die heutigen Ressourcen entstanden, die sich in etwa auf 70.000 bis 181.000 Milliarden Kubikmeter beziffern lassen. Die genaue Menge an Erdgasvorkommen ist jedoch umstritten und zudem auch technischen Restriktionen unterworfen. Der Aufwand, der für die Förderung verschiedener Vorkommen nötig ist, stark unterscheiden. Der Aufwand wird jedoch mit steigendem Wert des Erdgases immer weiter gesteigert.

Über eine lange Zeit hinweg galt Erdgas nur als eine Art Abfallprodukt bei der Ölförderung und wurde im Nachhinein einfach abgefackelt. Ganz im Gegensatz zu damals werden heute hochkomplexe Verfahren eingesetzt, um Erdgas zu gewinnen. Dazu gehört beispielsweise das nicht unumstrittene Fracking-Verfahren, bei dem das Gas aus Vorkommen in Schiefergestein gewonnen wird. Sowohl die USA als auch viele westeuropäische Staaten versuchen auf diesem Wege, die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu mindern.

Vielfältig einsetzbar: Erdgas als bedeutende Ressource

Vom ökologischen Aspekt her betrachtet verursacht die Verbrennung von Erdgas etwa 25 Prozent weniger schädliche Emissionen als die Verbrennung von Öl. Damit sich diese Emissionen noch weiter senken lassen, bieten immer mehr Gasversorger Erdgas mit Biogas-Anteil an. Biogas wird beispielsweise aus organischen Abfällen, Dünger oder speziellen Energiepflanzen gewonnen.

Erdgas ist ein besonders vielfältig einsetzbarer und daher auch sehr kostbarer Rohstoff. Vor allem in Gasturbinenkraftwerken zur Strom- und Wärmeproduktion kommt ihm eine sehr hohe Bedeutung zu. Daneben nutzen zahlreiche Privathaushalte Erdgas zum Heizen. Bereits seit einigen Jahren wird Erdgas auch als Kraftstoff für entsprechend ausgestattete Fahrzeuge verwendet. Gerade in den Zeiten besonders hoher Erdölpreise hat schon so mancher Fahrzeugbesitzer sein Fahrzeug zum Hybriden umwandeln lassen. Hinzu kommt noch die breite Verwendung in der chemischen Industrie. Im Jahr 1997 gelang es, aus Erdgas eine Alternative zu herkömmlichem Dieselkraftstoff herzustellen, die frei von Schwefel und Schwermetallen ist.

Ölpreisbindung

Eine Besonderheit des Erdgaspreises lag in dessen Bindung an den Erdölpreis. Vereinbart wurde diese Koppelung in den 60er-Jahren, um auf diese Weise die Preisschwankungen für Erdgas zu reduzieren. Die Stabilisierung sollte im Hinblick auf Investitionen im Erdgasbereich eine langfristige Planungssicherheit aufbauen.

Zum Zwecke dieser Preisbindung wurde der durchschnittliche Ölpreis innerhalb eines bestimmten Zeitraums angesetzt, der dann mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung als Referenzwert für den Erdgaspreis diente. Im Laufe der Zeit wuchs jedoch die Kritik an der Ölpreisbindung und im Frühjahr 2010 geschah es dann, dass die ausschließliche Bindung des Gaspreises an den Ölpreis vom Bundesgerichtshof für unzulässig erklärt wurde. Darüber hinaus muss den Verbrauchern bei Preiserhöhungen künftig immer ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt werden.